Montag, 19. August 2013

Tạm Biệt.


„Abschiedsworte müssen kurz sein wie eine Liebeserklärung.“ - Theodor Fontane

Vietnam. Danke. Für alles.


Montag, 5. August 2013

Der Countdown läuft.

"Elektronische Erfassung von Auslandsdeutschen - Ende Ihres Aufenthaltszeitraums ist bald erreicht
Sehr geehrte/r Frau Friederike Adolph,
die von Ihnen angegebene Aufenthaltsdauer im Gastland wird in 15 Tagen erreicht sein. Bitte aktualisieren Sie ggf. Ihren Aufenthaltzeitraum."

Mein Herz bleibt für einen Augenblick lang stehen. Und dann schießen mir ganz unerwartet Tränen in die Augen. Es ist auf einmal greifbar. Plötzlich. Viel zu schnell.
Nicht, dass ich nicht immer gewusst habe, dass meine Zeit hier am 10. August enden wird. Dass ich bereits diesen Sonntag wieder Berliner Luft schnuppern werde. Aber das war eben immer irgendwie weit weg. Jaja, ich muss bald nach Hause, jaja...Aber ich hab ja noch ein paar Monate! Nur auf einmal sind es nicht mehr Monate, nicht mehr Wochen sondern nur noch zählbare Tage.  Mir wird bewusst, dass tatsächlich ein Jahr um ist. Ein Jahr! Über 343 Tage Tage bin ich jetzt schon in Hanoi  und es fühlt sich trotzdem so an, als wäre ich erst gestern angekommen, die Zeit verflogen. Andererseits wenn ich mir vor Augen führe, was ich alles gesehen, erlebt, gelernt habe, so reicht das sicherlich um die nächsten 10 Jahre meines Lebens zu füllen.
Es ist nicht so, dass ich mich nicht auf Deutschland freue. Nein, ganz und gar nicht. Ich kann es kaum erwarten meiner Familie und meinen Freunden, allen Menschen, die mir lieb sind wieder in die Augen zu blicken, sie wieder um mich zu haben. Aber es ist eben nun mal so, dass etwas Wunderbares zu Ende geht. Ein wunderbares Jahr, das mir so viel gegeben hat, dass ich es nicht im Ansatz in Worte fassen kann. Jeder Tag war auf seine Art und Weise ein kleines Abenteuer, hat mir etwas Neues gezeigt, mich ein Stück wachsen lassen. Und sei es nur die banale Tatsache den Taxifahrer nach dem ersten Versuch seine Adresse anzusagen nicken zu sehen.
Natürlich gab es auch immer wieder Momente, die mich zurückgeworfen, mich zweifeln lassen und vermissen haben lassen. Aber im Großen und Ganzen ist mein Schatz ständig gewachsen. Mein Schatz an Erinnerungen, Überwindungen, Errungenschaften...Und diese Schatztruhe voll mit Geschenken werde ich immer in meinem Herzen mit mir tragen. Sie wird mich hoffentlich immer begleiten, ganz egal, wo auf dieser Welt ich mich befinden mag.
Ganz besonders schwer fällt mir allerdings der Abschied von meiner geliebten Mitbewohnerin Kristin und unserer gemeinsamen Wohnung. Mit ihr zusammen habe ich dieses Jahr gestemmt, ohne sie hätte ich in manchen Situationen sicherlich den Kopf in den Sand gesteckt. Wir hatten SO viel Spaß! In dieser Wohnung und auch außerhalb unserer heiligen Hallen. Die ganzen WG-Koch-/ Inderessenbestellabende, die durchtanzten Nächte, die verquatschten Stunden, die gemeinsamen Reisen. All das wird mir wirklich fehlen und ich danke dir, Kristin, für diese unwiederbringliche Zeit!
Die letzte Zeit hier ist verflogen und ich entschuldige mich ganz aufrichtig bei euch allen, dass ich diesen Blog habe so schleifen lassen! Ich weiß, dass das eigentlich gar nicht zu mir passt, aber ich hatte wirklich kaum Zeit! Es war einfach unheimlich, unglaublich, unbeschreiblich viel los in den letzten Monaten hier. Ja, die letzten beiden Monate habe ich sogar kaum in Hanoi verbracht... Und das ist doch ein gutes Zeichen oder? 

 Um nochmal kurz die Tophighlights der vergangenen Monate zusammen zu fassen:

 - eine Reise nach Kambodscha mit Ryan.

Angkor Wat bei Sonnenaufgang
  - meine erste eigene Theateraufführung meiner Theater AG.


Bei der Premiere von "Es war einmal..."

- die Schuljahresabschlussfeier

Tanzaufführung meiner Schüler
  
- meine große Sommerreise mit 2 Freunden von unserer Organisation. Durch Laos und Thailand.

Ruinenstadt in Thailand

- das Wiedersehen mit meiner Familie. Und die anschließende Reise durch Vietnam.


Mekong Delta
Saigon 

 - mein erster Auftritt als Brautjungfer. Bei der Verlobungsfeier meiner Vietnamesisch Lehrerin. Sowie eine weitere Verlobungsfeier und 2 Hochzeiten.


- mein eigener Sommerkurs. Ja, ich unterrichte jetzt eigenständig die sechste Klasse :)


Vielleicht finde ich ja irgendwie, irgendwann, irgendwo noch einmal Zeit über diese Ereignisse in schriftlicher Form zu berichten und wer es nicht erwarten kann, darf mich gerne ganz bald persönlich löchern. Ich stehe für alle Fragen zur Verfügung und werde alles berichten, was ihr wissen möchtet. Das ist ein Versprechen.
Und obwohl ich mit jedem Tag ein bisschen trauriger werde, werde ich auch gleichzeitig immer kribbeliger. Wie wird das wohl sein nach fast 12 Monaten wieder deutschen Boden zu betreten? Werde ich mit dem Verkehr klarkommen? (Mir ist neulich nämlich mal aufgefallen, dass ich gar nicht mehr wirklich weiß, wie ich eine Straße überquere ohne mich wie selbstverständlich mit wenig Rücksicht auf Verluste durch die vielen Mopeds zu schlängeln...) Wie wird das mit meinem Studium? Wo wird es mich hin verschlagen? Vertrage ich dich deftig-deutsche Küche noch? Ist mein Bett wirklich gemütlicher, als meines hier in Hanoi? Wie sehen die europäischen Münzen nochmal aus? Kann ich noch Fahrpläne lesen? Werde ich aufhören meine Worte mit Hand- und Fußgesten zu untermalen? Schwitzt man überhaupt in Deutschland? Wie fühlt es sich an, wenn im Bus keine ohrenbetäubende Schnulzmusik läuft? ...

"Wenn sich eine Tür schließt, dann öffnet sich eine andere". In diesem Sinne auf den Neuanfang und die unbeschreiblich beste Zeit meines Lebens, die hinter mir liegt!

Bis ganz bald.
Euer Asien-Mädchen.

Mittwoch, 17. April 2013

Ein Freund, ein guter Freund...

„Sprechen Sie Deutsch?“ Ein etwas älterer Vietnamese steht vor mir und lächelt mich an. Ich sitze völlig perplex um 7:10 an meiner Bushaltestelle und erwarte in meiner morgendlichen Hochfassung so ungefähr alles, nur keinen alten Herren in Unterhemd, Sporthose und Basecap, der mich auf meiner Muttersprache anspricht.
„Äh, ja.“ ist daher alles, was ich nach einem kurzen Augenblick der kompletten Verwirrung zusammenbekomme. Daraufhin fängt er an zu Strahlen, setzt sich neben mich und fängt locker flockig in perfektem Deutsch ein Gespräch mit mir an. Was ich denn machen würde, wo ich herkomme, ob mir Vietnam gefalle und ob ich nicht fände, dass das Wetter viel zu heiß sei.
Ich bin so verdutzt, dass ich seine Fragen fast wie eine Maschine beantworte und erst sehr spät die entscheidende Frage stelle, warum ER denn überhaupt Deutsch spreche.
Er erzählt, er wäre 1968 nach Deutschland gegangen um dort für ein paar Jahre in einem Betrieb in der Nähe von Halle zu arbeiten. Gastarbeiter, ahoi!
Als mein Bus kommt, wünscht er mir noch alles Gute für die Zukunft und verschwindet genauso schnell, wie er aufgetaucht ist, wieder in dem Getümmel des morgendlichen Verkehrs.
Guten Morgen Vietnam. Genau darum liebe ich dich!

Ort der skurrilsten Begegnungen; meine Bushaltestelle

Über meine vietnamesischen „Freunde“ und Bekanntschaften könnte ich hier mittlerweile glaube ich ein Buch verfassen.
Angefangen bei meinen „Gemüsefrauen“ auf dem Markt, die mir jedes Mal aufs neue hellauf begeistert über das Gesicht streicheln, bis hin zu der Frau unseres Vermieters, für die das Wort „satt“ eine total komplementäre Wechselbedeutung zu haben scheint, haben alle vor allem eines gemeinsam: Beharrliches Unverständnis gegenüber meinem Unverständnis!
Was ich auch tue, um einen Vietnamesen zum langsam sprechen zu bewegen braucht es himmlische Wunder! Jedes „Xin loi, em khong, hieu.“ (Entschuldigung, ich verstehe Sie nicht) scheint eine Aufforderung zu noch eindringlicheren Reden zu sein. Mittlerweile lächle ich einfach nur noch und nicke :)
Obwohl ich mich wirklich gebessert habe! Mit den „Bia-hoi Frauen“ habe ich neulich fast ein ganzes Gespräch über Arbeit, Wohnort und Trinkbedürfnis meinerseits geführt :) Gut, dass wir mittlerweile wieder vietnamesisch Unterricht haben!
Zur Erklärung die „Bia-hoi Frauen“, wie ich sie getauft habe, sind 3 Schwestern, die an der Bushaltestelle vor meiner Schule ein kleines Bia-hoi (Mischung aus Restaurant, Imbissbude und Biergarten, in dem man Bier für ca. 20ct auf Plastikstühlen trinken kann) betreiben. Die drei lieben mich und so wird mir tagtäglich die Wartezeit versüßt. Mit Plastikhocker, vietnamesischen Eistee und drei pausenlos auf mich einredenden Müttern! :D Ich glaube diese schnatternden Frauen werde ich in Deutschland echt vermissen!
Ehrenplatz im Linienbus
Mein absoluter Lieblingsfreund hier in Hanoi ist aber Thanh! Thanh ist 53. Thanh ist Busfahrer. Und Thanh und ich haben erstaunlicherweise wirklich oft das Vergnügen im selben Bus zu fahren. Beziehungsweise habe ich das Vergnügen in seinen Bus einzusteigen und direkt mit einem freudigen „Lieke! Lieke!“ begrüßt zu werden. Dann wird mir sofort ein Ehrenplatz direkt neben seinem Lenker freigemacht und los geht unsere „Unterhaltung“. Eigentlich eher sein Monolog, weil ich ja wie gesagt quasi nie verstehe, was er mir sagen will. Ich glaube ich habe ihm mittlerweile dafür an die 500x erzählt, dass ich in Berlin wohne, 18 Jahre alt bin und Vietnam toll finde. :D Er hat sich aber noch nie beschwert und lacht nur immer zufrieden, sobald ich ein Wort auf der fremden Sprache versuche.
Als neulich ein englischsprachiger Student mit im Bus saß und endlich einmal etwas zwischen uns vermitteln konnte, habe ich dann auch prompt einen Heiratsantrag von seinem Sohn erhalten. Er sei ja leider zu alt für , aber ich müsse doch dringend später mal zu seiner Familie gehören. Und sein Sohn sei eine sehr gute Partie für mich, da sei er sich sicher!

...wie gesagt: Ich LIEBE dieses Land!

Dienstag, 9. April 2013

Fidirallala, Fidirallala, Fidirallalala

Die Aktion war spontan. Die Aktion war ungeplant. Die Aktion war einzigartig.
Am Donnerstag ruft Maarten uns an. Er gehe am Samstag auf eine Hochzeit in der Nähe von Haiphong und wisse, wie gerne wir auch einmal eine vietnamesische Hochzeit sehen würden, ob wir nicht einfach spontan mitkommen wollten.
So heißt es also für uns am Freitagabend Hanoi verlassen um zu der Hochzeit einer völlig fremden Person zu fahren. Der Hochzeit einer Cousine, eines Freundes von einem Mitfreiwilligen. Wäre ich nicht in Vietnam hätte ich das ganze Unterfangen von Vornherein als absurd eingestuft. In diesem Land ist es aber völlig normal zur Hochzeit Hinz und Kunz einzuladen, gerne auch mal Personen, von denen das Brautpaar selbst noch nicht einmal etwas gehört hat...
Also steigen wir frohen Mutes in den Zug nach Haiphong, der  Freitagabend natürlich vollkommen überfüllt ist. So bahnen wir uns unseren dreistündigen Weg im Gang auf dem Boden und Plastikhöckerchen sitzend und können wieder einmal nur herzlich über diese verrückte Kultur schmunzeln!
In Haiphong werden wir von Maarten abgeholt um gemeinsam per Taxi in das 20km entfernte Dorf zu fahren, in welchem am nächsten Tag die Hochzeit stattfinden soll. Dort nächtigen wir bei einem Onkel von Khanh, dem Freund von Maarten. Vietnamesischen Homestay haben wir jetzt also auch durch. :) Inklusive um unser Essverhalten besorgten Frauen, einem vietnamesischen Frühstück mit Knoblauchsuppe (größte Überwindung für mich!) und einem Hochzeitsvortrubel, der bereits um ca. 5 Uhr startet. Das Haus muss ja schließlich "hochzeitsfein" hergerichtet werden. Auf vietnamesisch bedeutet das möglichst viel rosa auf möglichst wenig Fläche zu platzieren. So verwandelt sich der Vorraum des Hauses im Nu in eine pinke Mädchentraumhöhle. Rosa Stühle, weiße Schleifchen, Blümchen, ein pinker Vorhang und glitzernde Herzen. Man heiratet ja auch nur einmal!
Hochzeitsschloss
Um 9 Uhr erreicht dann der Bräutigam mit seinem Gefolge das Haus. So ganz erschließt sich uns dieser "Hofstaat" allerdings nicht, jedenfalls wird ein schön angerichtetes, totes Huhn vor dem Bräutigam her getragen (?) und dieser holt die Braut aus ihrem "Ankleidezimmer" ab.
Und dann schreitet sie die Treppe herunter - Die Braut. Oder sollte ich vielleicht lieber Prinzessin sagen? Es scheint als bewege sich eine Inkarnation der Disneyzeichentrickfiguren durch den Raum. Glitzernd, schimmernd, glänzend. Mit Makeup so dick wie ein Schildkrötenpanzer. Das auftoupierte Haar ziert sogar tatsächlich ein funkelndes Krönchen. Ich bin ja mittlerweile daran gewöhnt, dass Kitsch und Künstlichkeit hier der absolute Renner sind und deswegen akzeptiere ich das puppengleiche Wesen kommentarlos.
Das Brautpaar, posiert vor der Menge, die Familienväter und Oberhäupter halten reden und es wird angestoßen.
Danach gibt es Mittagessen im Hause des Bräutigams...um halb 11. Allerdings nicht für uns. Angeblich sind zu wenig Plätze vorhanden, weswegen wir nach einem ausführlichen Spaziergang in der Umgebung des Dorfes das Mittagessen wieder bei Khanhs Onkel zu uns nehmen.
Danach lautet die Ansage, wir würden erst wieder um 16 Uhr auf die Hochzeitsgesellschaft stoßen, wenn diese sich zum "Abendessen" auf dem zentral gelegenen Marktplatz treffe. Aha. :D
Nach einer zweistündigen Mittagsruhe und diversen Verzögerungen brechen wir anschließend zu einer nicht weit entfernten Höhle auf, von der Khanh uns schon am Morgen erzählt hatte.
20 Minuten dauert die Fahrt, die ich das erste Mal in meinem Leben im Damensitz bangend auf dem Moped verbringe. Verflucht seien enge Röcke!
Gefährten.
Die Höhle ist dafür atemberaubend! Anfangs scheint das Ganze noch relativ unspektakular. Ein, zwei kleine, verschlissene Götterfiguren mit Opfergaben davor, die vom Tageslicht beschienen werden. Doch dann entdecken wir einen etwas abgelegeren Abstieg und machen uns, ausgerüstet mit exakt einer Handytaschenlampe, in Ballerinas und Festtagskleidung auf in die unbekannten Tiefen...und auf einmal erstreckt sich die Höhle riesig vor uns! Die Wände glitzern kristallen, überall sind Figuren und Bilder von Göttern. Immer nur für einen Augenblick sichtbar denn wenn das Licht der Lampe weiterzieht,  werden ihre Gesichter wieder von der Dunkelheit verschluckt. Es ist schon ein bisschen gruselig inmitten so einer großen Höhle zu stehen, besonders als wir auch noch Fledermäuse entdecken, die fröhlich umher flattern. Aber dennoch ist es ziemlich faszinierend! Wie auf einer Schatzsuche...
Auf dem Rückweg fahren wir vorbei an einer Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Sattgrüne Reisfelder, Felsen, arbeitende Frauen mit Reishüten. Vietnam wie aus dem Katalog. Leider sind die Straßen dementsprechend uneben und huppelig. So steige ich vorrausschauend ab, als Maarten sich entscheidet das Moped zu wenden...Und dann höre ich nur noch: "Oh, hier ist die Straße ja zu Ende" und Maarten stürzt filmreif vor meinen Augen in das Reisfeld am Rand des Weges. :D Ich kann mich kaum noch halten vor Lachen! Einen Menschen samt Moped in einem Reisfeld liegen zu sehen ist definitiv ein Anblick, den man so schnell nicht vergisst! Tropfnass holen wir ihn mit vereinten Kräften aus der Matschsuppe und kringeln uns vor Lachen. Dieser Augenblick kursiert definitiv unter den Top 5 der lustigsten meines Auslandsjahres :D
Die (ultrakitschigen) Hochzeitsfotos werden schon vor der Heirat angefertigt
Etwas verspätet treffen wir also zum Abendessen auf dem Marktplatz ein, wo sich schon das ganze Dorf versammelt hat und genüsslich unter einem rot-pinken Zelt speist, während ein traditionell gekleidetes Sängerpaar vietnamesische "Schlager" zum Besten gibt.
Wir werden an einen Tisch geleitet, auf welchen ein überdimensional großes Samtherz auf Umschläge mit Inhalt wartet. Das ist nämlich der Haken an der Geschichte. In Vietnam feiert man die Hochzeit riesig, lädt jeden noch so entfernten Bekannten ein. Dafür müssen die Gäste Geld schenken. Der Betrag hält von der Enge des Verhältnisses ab, fängt aber bei umgerechnet ca. 10 Euro an. So werfen wir auch brav unser Couvert in den Schlitz und ich habe das Gefühl mehr ein Eintrittsgeld zu begleichen, anstatt wirklich ein Geschenk zu machen. Einmal vietnamesische Hochzeit all inclusive für 10 Euro bitte...
Festzelt noch ohne Gäste und Schmuck
Das Brautpaar schreitet durch die Reihen, erhebt hier das Glas, stößt dort an, nimmt Trinksprüche entgegen. Als die Beiden unserern Tisch erreichen folgen wir brav dem Beispiel der anderen Gäste und werden unser extra erlerntes "Chuc mung hanh phuc" (Alles Gute zur Hochzeit) los, was mit einem strahlenden Lächeln der umsitzenden Personen aufgenommen wird. :)
"Esst, esst" fordert uns die Braut noch auf, die wahrscheinlich bis zu diesem Zeitpunkt selbst keinen Bissen verdrückt hat. Eine Tücke von vietnamesischen Hochzeiten sei, klärt mich später meine Kollegin auf, dass die Braut den Tag über fast nichts essen würde. Sie hätte das zumindest bei ihrer Hochzeit nicht getan, der Lipgloss wäre ja sonst verschmiert! Wer schön sein will muss leiden. Oder wie war das?
Wir greifen jedenfalls ordentlich zu, lassen uns Klebreis, Garnelen, Tintenfischsalat und Chillibeef zu vietnamesischer Livemusik schmecken.
Leider gestaltet sich der Rest des Tages von da an nicht mehr so erfreulich. Als wir entscheiden wieder gen Hanoi aufzubrechen und zum Haus zurückkehren, fällt uns auf, dass Maartens Kamera dort während der letzten Stunde geklaut wurde. Da kann auch eine vietnamesische Suchaktion vom Feinsten mitsamt Telefonkette nichts mehr ausrichten, nach anderthalb Stunden ist klar, die Kamera ist weg! So begeben wir uns minder gut gelaunt auf den Weg nach Hanoi. Zu allem Übel steigen wir auch noch in den falschen Bus, der uns nicht in die Stadtmitte bringt, sondern in einen sehr weit entfernten Außenbezirk von Hanoi. Das bedeutet, dass wir zu guter Letzt noch einmal 20km mit dem Taxi fahren müssen -.-
So kommen wir ziemlich spät und geschafft wieder zu Hause an.
Trotz allem war dieser Tag sehr schön und ich habe wieder viel gesehen und erlebt, was ich definitiv niemals vergessen werde. Ich glaube zum Beispeil Maartens Gesichtsausdruck im Reisfeld wird mich noch in 10 Jahren zum Lachen bringen! :D




Mittwoch, 3. April 2013

Denn die Erinnerung wird bleiben!

Der Beginn einer Reise ist für mich vergleichbar mit dem Durchblättern der leeren, weißen Seiten eines frischen Notizbuchs.
Wochenlang hat man die Abreise im Hinterkopf, freut sich auf ein Ziel, von dem man allerdings noch keine konkreten Vorstellungen hat, keine Farben, Formen. Erst am Ende der Reise sind die leeren Seiten dann Zeuge neuer Erfahrungen, Erlebnisse, Orte, Menschen, Gerüche und Meinungen geworden.
Mein Notizbuch trägt den Titel "Malaysia" und wartet in meinem Kopf schon ungeduldig auf den langersehnten Einsatz.
Erlebnisse sind nur leider ein sehr flüchtiges Gut. Viel zu schnell rutschen sie in die Kategorie "Erinnerungen" ab, in welcher sie dann verstauben und auf ihren willkürlich hervorgekramten Einsatz warten.
Eine berühmte deutsche Kinderbuchautorin schrieb in einem ihrer Bücher die Idee nieder, schöne Momente doch einfach in Marmeladengläser zu verpacken. So hätte man immer die Möglichkeit das Glas aufzuschrauben und den Augenblick wieder ganz real und präsent zu durchleben.
Diese Idee hat mich seit jeher fasziniert und ich probiere immer wieder schöne Momente in meinem Innersten zu verpacken.
So versuche ich das diesmal einfach erneut und präsentiere euch meine Erlebnisse in Marmeladengläsern. Damit ihr wenigstens ein bisschen von dem verheißenden Geruch, den Malaysia versprüht erschnuppern könnt :)

Marmeladenglas 1: Langkawi
Erste Station der Reise. 16 Tage liegen vor uns, voller Ungewissheit und Vorfreude blicken wir ihnen entgegen.
Nach dem gut vierstündigen Flug ist erst einmal wieder Reizüberflutung angesagt. Aber vom Feinsten! Kuala Lumpur lockt schon am Flughafen mit atemberaubenden Wiederentdeckungen. Nach einem halben Jahr in Hanoi kann so ein Dunkin Doughnut neben Starbucks und Mc Donalds erstaunliche Wirkung haben ;) Auch der extrem geordnete Verkehr mit Autos lässt uns staunen! Da bleibt die Tatsache, dass in Malaysia rechts gefahren wird geradezu unbeachtet...
In Kuala Lumpur treffen wir uns dann mit Franzi, die bereits einige Tage vorher angereißt ist, um mit ihr gemeinsam auf die Insel Langkawi zu fahren. Diese Insel liegt nördlich des Festlandes, direkt unter der thailändischen Grenze. Schon beim Übersetzen mit der Fähre bietet der Sonnenaufgang über dem Meer einen so unvergesslichen, einmalig malerischen Anblick, dass die Erwartungen an die Insel selbst weiter steigen. Verblüffender Weise weden diese Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern fast noch übertroffen.
Ich kann sagen noch nie in meinem Leben an solch einem Ambiente gewesen zu sein. Weißester Sandstrand umrahmt von sattgrünen Kokospalmen, türkisfarbendstes Meer, das sich am Horizont mit dem strahlend blauen Himmel verbindet. Paradiesisch. Ganz wirklich und wahrhaftig.
Unsere Tage verbringen wir (natürlich) entspannt am Strand, bei einem Wasserfall, der sich auf dem Inselinneren befindet und in dessen vorgelagerten Wasserbecken wir mitsamt gefühlt 30 Malayen baden und auf einer sogenannten "Island-hopping-Tour". Bei dieser Tour fährt uns ein Boot im rasanten Fahrttempo, "hopping" war an dieser Stelle wohl wortwörtlich gemeint, zu verschiedenen kleineren Inseln, die sich rund um die Hauptinsel Langkawi verteilen. Wir bekommen einen weiteren Bilderbuchstrand zu sehen, können Seeadler aus nächster Nähe bewundern, in einem Bergsee mit "Fußknabberfischen" (meine persöniche Highlightneuentdeckung ;) ) schwimmen und erste Bekanntschaften mit Affen schließen. Wobei ich zugeben muss diesen Tieren dann doch eher mit Respekt zu begegnen. Es ist schon ein ziemlich seltsames Gefühl ganz plötzlich so einem fremden Tier, welches ich sonst höchstens mal im Zoo gesehen habe, in freier Wildbahn gegenüber zu stehen. Besonders wenn besagte Tiere dann auch noch anfangen Sonnenbrillen von den Köpfen der Touristinnen zu befreien oder an Rockzipfeln zu ziehen.... Dann doch lieber Zoo! ;)
Die Abende verbringen wir ganz klischeegetreu am Strand. Mit Meeresrauschen, Sternenhimmel, Gitarrenmusik.
Also im Endeffekt kann vieles behauptet werden, aber nicht, dass uns der Abschied aus Langkawi leicht fällt!
Nur heißt es weiterziehen. Der Reisende ruht nicht, sondern geht.



Marmeladenglas 2: Penang (zumindest ein Teil davon gehört ins Marmeladenglas)
Wenn ich von einer absolut paradiesischen Insel nach einer dreistündigen, anstrengenden Fährfahrt auf einer anderen Insel ankomme und mit Regen begrüßt werde, ist das in meinen Augen schon mal kein netter Empfang! Der Eindruck der Insel Penang, unserer zweiten Reisestation bessert sich auch keineswegs, bei der Erkundungstour durch Georgetown, unserer Quartierstadt. Soll diese laut Reiseführer mit "unvergesslichem Allstadtcharme locken", so können wir nach 5 Monaten Hanoi nur laut lachen! Dreckig, grau und ein wechselnd zwischen modernen und alten Gebäuden ist in meinen Augen alles andere als charmant. Die Stadt wirkt auf mich unruhig, zusammengewürfelt insgesamt unstimmig. Es ist weniger an konkreten Beispielen auszumachen, als eher an meinem Gefühl. Ich fühle mich schlicht und ergreifend nicht wohl.
Dieses Gefühl verbessert sich natürlich auch nicht, als mir am Abend dann prompt aus dem Nichts heraus auch noch meine Tasche geklaut wird. Es passiert ganz schnell. Moped von links, Messer und zack sehe ich mich nur noch schreien und hinter einem immer kleiner werdenden Moped rennen. Den Abend verbringen wir dann auf sage und schreibe 3 verschiedenen malaysischen Polizeistationen. Immerhin haben wir die jetzt auch mal hautnah erlebt...
Den nächsten Tag verbringen wir komplett in einem Tempel außerhalb von Georgetown, um dieser heißgeliebten Stadt bloß vom Hals zu bleiben. Der Tempel stimmt uns sogar etwas versöhnlich. Er ist der größte buddhistische in ganz Malaysia und wirklich sehr beeindruckend. Überall hängen unzählige Lampions, die als schmückendes Element für "Chinese New Year" dem Gesamtbild eine einzigartige Pracht verleihen. Hohe Hallen mit großen Statuen reihen sich neben Altären und Wasserbecken. Fremde Klänge liegen in der Luft, Mönche verkaufen kitschige Souvenirs an Klapptischen. Und trotzdem spürt man an jeden Fleck die interkulturellen Gegensätze Malaysias.
Besonders, wenn man vor einer gefühlt 30 Meter hohen Buddhastatue steht und hinter sich den Muezzin aus einer nicht weit entfernten Moschee singen hört. Da wird einem dann doch schnell bewusst, wie faszinierend kulturelle Vielfalt, geballt auf einem Ort doch so ist!

( Hinweis: Da sich in meiner Tasche leider auch meine Kamera befand, war es mir im Verlauf der Reise nicht möglich weitere Fotos zu machen. Dank meiner liebsten Mitbewohnerin war das aber halb so schlimm, sie hat einfach doppelt so viele Bilder gemacht :D Ich weise an dieser Stelle nur noch einmal ausführlich darauf hin, dass alle Fotos dieses Eintrags von ihr gemacht wurden! Aus diesem Grund habe ich mich auch etwas eingeschränkt, was die Vielfalt der Bilder betrifft, möchte aber gerne für Interessierte auf ihren Blog hinweisen, der fototechnisch sehr ausführlich und schön gestaltet ist ;)
http://kristingoestohanoi.blogspot.com/ )

Marmeladenglas 3: Cameron Highlands
Nachdem wir uns schwersten Herzens von unserer geliebten Franzi verabschiedet haben, die ja nur ein halbes Jahr mit "kulturweit" nach Hanoi gegangen ist und deswegen schon früher wieder nach Deutschland abreisen muss, trennen wir uns im Vergleich doch eher euphorisch von Penang.
Unser nächstes Ziel sind die Cameron Highlands. Diese Berggruppe in Zentralmalaysia ist vor allem für ihre riesigen Teeplantagen bekannt. Aber die Region lockt auch mit beliebten Trekkingrouten und so begeben Kristin und ich uns direkt nach der Ankunft hinein ins Vergnügen. "Wir wollen ja nur kurz mal ne halbe Stunde die Landschaft anschauen". Ausgerüstet mit einem Reiseführer samt minder ausführlicher Karte und exakt 0,5 Liter Wasser beginnen wir also unsere Reise in die Dschungelberge...
Relativ bald laufen uns eine junge Amerikanerin und eine junge Serbin in die Arme, die (dem Himmel sei Dank) ihre Wandertour mit uns fortsetzen, denn schon bald wird uns allen klar, wir haben nicht den blassesten Schimmer, wo wir uns befinden! Nach 2 Stunden ständigem Bergauf (eigentlich wollen wir die ganze Zeit nichts weiter, als wieder im Tal ankommen), unserem begleitenden Schlachtruf "It can't be any higher! I can see the sky!" kommen wir dann an einen Wegweiser, dessen Schilder leider in alle Richtungen zeigen und komplett undefinierbar sind. Wo war nochmal der Hollywood-Regisseur?! Der hätte an diesem Nachmittag ein oscarreifes Drehbuch gratis bekommen... 4 Frauen, die mitten im Dschungel Malaysias, ausgerüstet mit einer Faltkarte aus dem Hostel, meinem Reiseführer und einem I-Phone "Kompass" ratlos vor einem Wegweiser stehen und über Orientierung diskutieren.
Irgendwann brechen wir alle hysterisch lachend zusammen und entscheiden uns quasi weiblicher Intuition folgend für den richtigen Weg. Und siehe da, nach fast 5 Stunden ewig gleich bleibenden Grün sind wir dann auch wieder Teil der Zivilisation :)
Fazit der Tour: 2 unglaublich tolle neue Bekanntschaften  (so ein chaotisches, ungeplantes, verzweifeltes Hin und Her schweißt zusammen!) und die Gewissheit niemals, aber auch wirklich niemals ohne Wasser wandern zu gehen!
Auf dem Programm für den zweiten Tag steht dann eine geführte (!) Tour zu den Teeplantagen. Grün soweit das Auge reicht! Über Hügel, Wälder und Felder. Überall erstrecken sich die Teepflanzen, die aussehen, wie zu groß geratene Samtmooskissen. So schön, dass man am liebsten einfach springen würde um von der weich wirkenden Fläche aufgefangen zu werden. In der Teefabrik wird dann der Tee vor einem einmaligen Panorama verköstigt und wir sind uns einmal mehr sicher, dass sich diese Reise gelohnt hat!




Marmeladenglas 4: Taman Negara
Der älteste Regenwald der Erde. Unsere nächste Station. Allein die dreistündige Bootsfahrt, die uns zum Eingang des Nationalparks bringt, führt uns in bisher unbekannte Welten. Vögel, Schmetterlinge, Bäume, die das Ufer des Flusses säumen, ein Sommergewitter. Pure Natur und einstweilige Faszination.
Da wir nach unserer Wandertour in den Camerons irgendwie die Nase vom Laufen immernoch nicht voll haben (ja, an dieser Stelle sind Zweifel bezüglich meines Wohlbefindens angebracht, ich kann nur sagen, ich habe mich selber nicht verstanden!) planen wir eine weitere Dschungeltrekkingtour. 16km auf eigene Faust lautet unser Plan.
Man könnte es auch einfach Optimismus der Jugend taufen, denn wir machen uns tatsächlich sehr früh morgens auf den Weg ins Ungewisse. Diesmal allerdings ausgerüstet mit genügend Wasser, Essen und Karten! So heißt es laufen, laufen, laufen. All day long. Wir werden Zeuge von grün in allen Formen, Farben und Schattierungen, genießen die Abgeschiedenheit, die Natur. Nach anfänglichen Schwierigkeiten (tatsächlich verlaufen wir uns nach der ersten Stunde, sodass wir einen Umweg über einen Berg von 2 km über fast 2 Stunden laufen müssen), kommen wir gegen Mittag doch noch total geschwitzt am Ziel an. Zumindest fast. Zuvor müssen wir noch mit einem kleinen Bötchen über einen Fluss setzen. Der Fahrer versichert uns aber in ca. 30 min noch da zu sein. So gelangen wir frohen Mutes nach "Lata Berkoh", ein paar Stromschnellen, an denen wir unser Halbzeitpicknick verspeisen und uns eine kleine Abkühling gönnen.
Als wir jedoch an den Fluss zurückkommen, ist weit und breit keine Menschenseele mehr zu sehen. Kein Boot, kein Fahrer, kein Touri, kein gar nichts! Wir haben also die Wahl: die Nacht im Dschungel verbringen oder den Fluss zu Fuß durchqueren...
Kristin geht als erste, die Tasche mit der Kamera hoch über dem Kopf und ich folge mit 2 Paar Wanderschuhe um den Hals. Ich muss zugeben, dass ich schon ungefährlichere Sachen gemacht habe und dass dieses Unterfangen durchaus hätte schief gehen können! Aber trotzdem möchte ich an dieser Stelle die entwarnende Flagge schwenken. Der Fluss war nicht 2m tief und es gab auch keine Krokodile oder sonstigen unerwünschten Flussbewohner. Zumindest haben wir keine gesehen, bzw. wurden nicht aus dem Hinterhalt angegriffen. Nur um das nochmal klarzustellen und gewisse Gerüchte zu beseitigen... ;)
Kaum am anderen Ufer angekommen, geht das Abenteuer weiter. Meine Hose reist, wir werden von Blutegeln zerfressen und von Matsch und Schweiß gebrandmarkt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir etwas verwundert angeschaut werden, als wir wieder die Zivilisation betreten. Aber ich kann es niemanden verdenken. Der Anblick von 2 jungen Mädchen mit zerzausten, verschwitzen Haaren, blut-/matschbespritzten (in meinem Fall) bis zu den Schuhen zerissenen Hosen, die sich frohen Mutes ihren Weg aus dem Gestrüpp bahnen, ist sicherlich auch unvergesslich :D
Trotzdem sind wir extremst stolz auf uns und unseren 8 1/2 Stunden Trip quer durch das Herz des malaysischen Urwalds.
Es war eine prägende, erschreckende, faszinierende, muskelkaterlastige Erfahrung, die mir einmal mehr gezeigt hat, dass Grenzen nicht gleich Grenzen sind. Der eigene Wille zieht weitaus größere Kreise!




Marmeladenglas 5: Kuala Lumpur die Zweite
Nachdem wir Kuala Lumpur nach unserer ankunft und vor der Abfahrt nach Langkawi ja nur flüchtig durchstriffen haben, widmen wir uns der Stadt jetzt nochmal 2 volle Tage.
Leider kommen wir 1 Tag nach "Chinese New Year" an, weswegen die Stadt Kopf steht und die einzige Bleibe, die wir finden das ranzigste Hostel der Welt sein dürfte. Eine Gefängniszelle mit Stockbett, grauen Betonwänden und keinem Fenster. Also beim Thema "Anspruch" bin ich mittlerweile ganz unten angekommen!
Wir schlendern durch die Stadt, gehen shoppen, besuchen die "Petronas Tower", treffen uns mit Freunden, die wir auf der Reise kennengelernt haben, verleben einen lustigen Abend in einer Bar, fahren in die Batu Caves. Diese sind eine hinduistische Tempelanlage etwas außerhalb der Stadt und wirklich sehr beeidruckend. Inmitten des pulsierenden indischen Lebens, umgeben von Touris, Frauen in Saris, Tauben und Affen passiert man eine Treppe, neben der eine 43m hohe, Goldstatue, eines indischen Kriegsgottes steht und gelangt letzendlich in eine riesige Höhle. Dort befinden sich dann verschiedene Tempel, die überannt von fotografierenden Touristen, zelebrierenden Gläubigen und gackernden Hühnern ein recht eindrucksvolles Bild liefern. Allerdings schlägt der Trubel auch ganz schön aufs Gemüt und ich fühle mich eingeschüchtert, fast schon erdrückt von der Größe, Veilfalt und dem Gewusel.
Am Abend des zweiten Tages begeben wir uns dann in den Nachtbus um Malaysia zu verlassen und uns auf in Richtung Singapur zu machen :)




Marmeladenglas 6: Singapur
Leider haben wir bei unserer Entscheidung per Nachtbus nach Singapur zu reisen nicht einkalkuliert, dass Malaysia nicht mit Vietnam zu vergleichen ist. Dort brauchen die Busse ja für gewöhnlich 4 Stunden für 150km, sodass wir uns ganz schön umsehen, als uns der Busfahrer um Punkt 4:15 im Herzen von Singapur aus dem Bus schmeißt.
Mitten in der Nacht bahnen wir uns also unseren Weg durch ein fremdes Land, auf der Suche nach unserem Hostel, in welchem wir dann netterweise noch ein paar Stunden auf 2 Sitzsäcken in der Lobby schlafen dürfen.
Halbwegs erfrischt werfen wir uns morgens in den Trubel der Großstadt...und sind erschlagen. Singapur in Worte zu fassen scheint mir unmöglich. Die Stadt ist so einzigartig, faszinierend, unvergleichbar, dass ich nicht wüsste, wie ich ihr je gerecht werden könnte. Alles ist modern, sauber, piekfein. Perfektion im vollsten Maße, ich sehen mich fast nach Ecken und Kanten. Große Gebäude lassen den Kopf schwirren, Lichtinstalationen spielen Zukunfstmelodien, alles wirkt unwirklich, ungreifbar, resistent. Ich kann noch nicht mal abschließend behaupten mir eine wirkliche Meinung gebildet zu haben. Es war einfach zu erschlagend, berauschend und surreal.
Wir besuchen den Botanischen Garten mitsamt seinen gefühlt 300.000 verschiedenen Orchideen, wandeln durch die Wolkenkratzer des Finanzviertel, besuchen den wohl schönsten Louis Vuitton Laden der Welt (dieser ist wie ein Hausboot gestaltet und einfach atemberaubend schön), erleben ein gestelltes, viel zu harmonisches "Little India", fühlen uns in die Zukunft geschleudert, während wir den Marina Bay Garden durchschreiten, in dem sich von menschenhand gebaute "Bäume" befinden, die nebenbei noch verkappte Solaranlagen sind, verbringen, aufgrund von starkem Regen einen ganzen Tag in den unterirdischen, rieeeesigen, modernen Malls, fahren bestimmt 500km Metro, staunen als wir Zeugen von traditionellen "Drachensegnungen" werden, die immer zu Chinese New Year stattfinden, lernen nette Menschen kennen, sind verwirrt, erstaunt, ungläubig.
Und wir lernen das Land im Dunkeln kennen. Oh ja! Wir lernen es im Dunkeln kennen! Da verwandelt sich Singapur nämlich nochmal in eine ganz andere Stadt...
Lichter, soweit das Auge reicht, Farben, Formen, eine Skyline wie im Traum. Am eindruckvollsten wird mir dieser Anblick wohl vom 67. Stock des Marina Bay Sands Hotel in Erinnerung bleiben. Dort befindet sich nämlich eine Skybar, in die, wir dank eines Tipps von Freunden, umsonst reinkommen. Und das Ambiente ist wirklich einmalig.
Wir fühlen uns frei, ganz Singapur liegt uns zu Füßen!
Auch die Lasershow vor dem Hotel wird sich für immer in mein Gedächtnis einbrennen. Auf Wasserfontänen projizierte Bilder, die mit lautstarker Musik, Feuer, Licht, Laser und Seifenblasen von allen Seiten untermalt werden...
Mit Glück, einem charmanten Lächeln und der Tatsache, dass Frauen in manchen Dingen eben bevorteilt werden, schaffen wir es sogar in den berühmten Nachtclub "avalon", der im Hafenbecken vor der Skyline liegt und zufälligerweise "Ladies night" hat. Das bedeutet freier Eintritt, sowie 3 Freigetränke :D Den Gin Tonic werde ich sicherlich auch nie vergessen!




Marmeladenglas 7: Home, sweet home!
So verlassen wir Singapur also fasziniert, verwirrt aber definitiv beeindruckt! Wir legen nochmals eine Zwischenstation in Kuala Lumpur ein, treffen uns mit der dortigen Kulturweitfreiwilligen Christina und begeben uns letzendlich nach 16 Tagen wieder auf den Weg nach Hanoi.
Dort fällt uns das Eingewöhnen zugegebenermaßen etwas schwierig. Haben wir doch gerade eine völlig neue, andere Seite von Asien kennengelernt... Da steht Vietnam auf einmal in einem völlig anderen Licht dar.
Trotzdem freuen wir uns nach der langen Zeit wieder auf unsere Wohnung, Waschmaschine und vor allem unsere Betten!
So schön reisen ist, so viel Spaß Backpacking auch bringt, den Geruch meiner Bettwäsche möchte ich niemals missen! ;)



Marmeladenglas 8 :
Dies ist zwar keine Reisestation gewesen, aber definitiv ein eigenes Marmeladenglas wert.
Das malaysische Essen!
In den 16 Tagen habe ich mich verliebt. Und zwar in die indische Küche! Ob Naanbrot, Curry oder Massalla, selten habe ich konsequent so oft so lecker gespeist. Besonders die Mischung von Indisch und traditioneller, malaysischer Küche ist ein Gaumenerlebnis vom Feinsten! :)





Sonntag, 3. März 2013

262.974 Augenblicke

Meine lieben Freunde!
Ich denke, es ist schon wieder eine Entschuldigung fällig...Im Trubel dieser Tage habe ich es immernoch nicht geschafft euch über meine Eindrücke und Erlebnisse in Malaysia zu berichten. Aber ich werde mein Wort natürlich halten. Doch kaum aus Malaysia zurückgekehrt stand schon ein ganz besonderer Gast auf der Matte.
Anne, die Schwester von Kristin beehrt uns seit kurzem mit ihrer Anwesenheit :) Wir haben eine sehr schöne Woche in Hanoi gehabt und auf einmal wird einem schlaghaft bewusst, wie sehr einem die Stadt mittlerweile vertraut ist, wie man die Straßen kennt, die Leute, die Atmosphäre. Ein unsagbar verwirrendes, aber durchweg schönes Gefühl! Hanoi, du bist zur Heimat geworden.
Und während ich gerade auf die Ankunft der Schwestern mitsamt frisch gelandeten Eltern warte (ja, auch diese werden ab heute Hanoier Luft schnuppern), möchte ich die Gelegenheit nutzen und einen ganz besonderen Anlass ehren.
Heute, genau auf den Tag heute vor 6 Monaten bin ich hier im fernen Vietnam gestrandet!
Seit genau 185 Tagen meistere ich täglich den Alltag, schlage mich durch, beobachte, bewundere, begutachte, verköstige, lache, schüttele den Kopf, höre, rieche, fühle, atme, sehe, tanze, singe, schreie, entscheide, reise und lebe. Die Welt dreht beständig, ich staune.
Was ich in diesem halben Jahr erlebt und gesehen habe lässt sich nicht in Worte fassen. Es ist ein Gefühl, das mich stets begleitet, sich laufend verändert und mir ganz persönlich gehört. Ich kann nur sagen, dass ich unsagbar dankbar für alles bin, was ich hier vor die Augen geführt bekomme, was mir hilft meinen Horizont zu erweitern und mich wachsen lässt. Inwiefern auch immer.
Ich habe Vietnam und natürlich insbesondere Hanoi kennen- und auf irgendeine Art und Weise auch lieben gelernt. Die Kultur und die Menschen sind mir zwar in manchen Augenblicken noch unheimlich fremd, in anderen dafür aber so nah und vertraut, dass ich mich stetig zwischen Verwunderung und Erstaunen bewege. Oft ist es ein Schwanken der Extreme. Aber ich fühle mich wohl! Wohl, größtenteils akzeptiert und aufgehoben.
Und nach wie vor gilt für mich, dass es nichts, aber auch überhaupt gar nichts fesselnderes gibt, als die Fremde!
Ich freue mich enorm auf die folgenden 6 Monate. Auf alle Herausforderungen, alle schönen, wie auch traurigen Augenblicke. Einfach auf alles, was da kommen wird.
Und natürlich darauf, euch alle endlich wieder in die Arme zu schliessen! Darauf ganz besonders! Denn so sehr ich meine Zeit hier auch genieße weiß ich wohl wo meine Wurzeln sind.
Zum Abschluss möchte ich euch noch ein kleines Video zeigen, das für mich das Gefühl meiner neuen "Heimat" nahezu perfekt wiederspiegelt.
Schaut, staunt und genießt!

http://www.youtube.com/watch?v=LfVotDzSRDw

Bis demnächst,
eure Halbjährige :)


6 Monate, 26 Wochen, 185 Tage.

Donnerstag, 31. Januar 2013

Wer wird Millionär?

So meine Freunde.
Da möchte ich doch mal die alljährige Tristesse des Januars nutzen um ein paar allgemeine Fragen klarzustellen. Immer wieder stelle ich nämlich fest, dass selbst nach fast 6 Monaten, doch manch gestellte Frage eine gewisse Häufigkeit aufweisen...
Das ist ja grundsätzlich gar kein Problem und ich bin der letzte Mensch, der nicht jede noch so oft gestellte Frage mit Engelsgeduld ausführlich beantwortet! Trotzdem dachte ich mir, gebe ich doch auf meinem Blog mal ein für die Allgemeinheit ersichtliches Statement ab, damit einfach gewisse Prinzipien mal geklärt sind. Ne? :D

1. Sehen alle Asiaten gleich aus?
Wie gesagt: die "Rückansicht" fällt etwas schwerer...
Nein. Tun sie nicht! Vielleicht mag dieses Gerücht von der Einheitshaarfarbe "schwarz" herrühen, ich muss zugeben von hinten ist es wirklich manchmal etwas schwer die Personen auseinanderzuhalten, aber trotzdem muss ich dementieren. Es gibt zwar unbestreitbar große Ähnlichkeiten und typische "Grundmuster", aber die Gesichter unterscheiden sich gewaltig. Knubbelnase, Stubsnase, große Augen, kleine Augen, Brille, keine Brille...alles dabei :) Wie bei uns auch!
Lediglich Hautton und die Augenfarbe sind ebenfalls einheitlich dunkel. Außnahmen bilden ein paar vietnamesische "Styler", die versuchen mit farbigen Kontaktlinsen das tiefe braun der Augen zu übertönen. Das Ergebnis? Eine Mischung aus psychopathischer Hauptperson im Horrorfilm und Musicaldarsteller bei Cats...
Asiaten den verschiedenen Herkunftsländern zuzuordnen, fällt mir allerdings auch noch schwer. Das ist dann wahrscheinlich für Fortgeschrittene ;)
Aber andersrum ist es ja auch nicht anders. Für die Asiaten sehen alle Europäer, Amerikaner und Australier gleich aus. Frag mal einen Vietnamesen nach dem Unterschied zwischen Engländer und Franzose. Dürfte spannend werden...
Ich werde ja auch quasi an jeder Straßenecke gefragt, ob ich nicht Russin wäre :) Was ich so "typisch Russisches" an mir habe, müsste mir dann bitte auch mal jemand erklären!

2. Hast du auch schon mal Pho gegessen?
Ja, habe ich. Schon in meiner ersten Woche. Da kommt man hier wirklich nicht drum rum. Da muss ich das Klischee mal bestätigen. :)
Pho, ganz kurz zur Erklärung, ist eine urtypische, vietnamesische Suppe, die aus Brühe, "Bandnudeln", Grünzeug und wahlweise Hünchen oder Rindfleisch besteht. Lecker, aber ich muss ehrlich zugeben, meiner Meinung nach etwas fad. Die vietnamesische Küche hält deutlich bessere Schätze bereit und ich kann nicht so ganz verstehen, warum nun ausgerechnet dieses Gericht einen so international bekannten Ruf genießt. Wahrscheinlich liegt das wirklich an der Tatsache, dass man es an jeder Straßenecke essen kann...

3. Essen die da wirklich Hunde?
Ja, auch das tun sie. Ganz klischeegetreu ;)
Bevor sich nun die nächste Frage anschließt, nein, ich habe bisher noch keinen Hund probiert. Wie gesagt, bisher. Denn ich habe es definitiv vor. Das wird dann mein ganz persönlicher Triumph! Ich werde dasitzen, süffisant lächeln und meine Rache genießen.... ;)

3. Na, sprichst du überhaupt Vietnamesisch?
"Quoc Saaa oder Quoc Saaa?"
Haha...ähm, nein. Eher nicht. Also wie gesagt, habe ich hier ja schon einen Sprachkurs besucht und ein weiterer wird im Februar folgen, trotzdem muss ich aber ganz ehrlich gestehen, mit meinen vietnamesisch Kenntnissen ist es nicht allzu weit her. Es reicht für "Danke", "Bitte", §Entschuldigung", "Wie viel?", "Zu teuer!", "Wie spät?", "Bus, wo?" und "Hängematte". So ca. plus minus. :D Ich will mich aber auch nicht beschweren. Die Sprache ist wirklich ultra-schwierig! Zwar nicht die Grammatik betreffend, hier konjugiert man prinzipiell überhaupt nicht und das Satzgefüge ist eher eine Aneinanderreihung von Wörtern, nein, Knackpunkt ist (Überraschung!) die Aussprache! Es gibt 6 verschiedene Töne, die sich allerdings für unsere Ohren alle gleich anhören. Da sitzt man schon mal im Taxi und leiert sich 10 verschiedene Betonungsversionen von "Deeee la Täng" aus dem Nacken bis der Fahrer endlich das erlösende "Ahh! De la Täng" ertönen lässt...meistens in haargenau derselben Betonung, die man gerade gefühlt einhundertmal wiederholt hat. Aber naja. Ich komme trotzdem ganz gut aus und auch meine geliebten Marktfrauen werden hoffentlich irgendwann einsehen, dass ich auch nach dem tausendsten Versuch ihrerseits mein verständnisloses Lächeln nicht aufgeben werde.
Notfalls gibt es ja auch immer noch meine Hände und Füße. ;)

5. Wie spät ist es denn gerade bei dir?
Beste, bisher gesichtete Uhr! Was wären wir nur ohne Onkel Ho?! :D

Da wir derzeit noch die mitteleuropäische Winterzeit haben, besteht eine Zeitverschiebung von genau +6 Stunden. Also die deutsche Uhrzeit plus 6. Wenn allerdings die Uhr am 31.03.2013 wieder umgestellt wird, sind es nur noch 5 Stunden. Diese Zeitangaben gelten selbstverständlich nur für die deutsche Zeitzone. Nach Weißrussland und Rumänien sind es so zum Beispiel nur noch 4 Stunden, nach Ghana hingegen sogar 7! :)



Ich hoffe damit einige Unklarheiten beseitigt zu haben, stehe aber gerne bei weiterführenden Fragen zu Verfügung ;)
Jetzt ist erstmal Malaysia angesagt! Über das Tet-Fest (vietnamesisches Neujahrsfest) ist hier nämlich die Schule geschlossen. Das bedeutet dann konkret: FERIEN!  :D
3 Mädels, 2 Wochen und 1 völlig unbekanntes Land. Macht euch auf was gefasst, ich freue mich unheimlich und werde natürlich berichten! :D